Über Schlaraffia

Was ist eigentlich Schlaraffia?

Darüber schrieb Ritter Derrick anläßlich des 50. Stiftungsfestes der Schlaraffia Claustroneoburga im Jahre 1973 in den Klosterneuburger Nachrichten:

lm Jahre 1859 gründete eine Gruppe von Schauspielern und Sängern in Prag einen Verein, der durch sein besonderes Gehaben in altertümelnder, „ritterlicher“ Sprache und einem Narrenhelm als Kopfbedeckung gegen den formellen, steifen Ton, der in den damaligen Kulturvereinen herrschte, protestieren sollte. Dies und die gewählte Devise: „Kunst, Humor und Freundschaft“ zog bald auch den Freundeskreis dieser Künstler an. Da Schauspieler und Sänger von Theater zu Theater wandern, verbreitete sich der inzwischen „Schlaraffia“ benannte Verein bald über die alte Monarchie, über Deutschland und die Schweiz.

Zur Wahrung der Einheitlichkeit wurde schon früh der Ablauf der Sitzungen in einem „Ceremoniale“ festgelegt, gemeinsame Satzungen für die einzelnen Vereine als verbindlich erklärt und ein Dachverband, die „Allschlaraffia“ gegründet. Da als Vereinsprache von Anfang an deutsch galt – man bedenke, daß die Gründung in der vielsprachigen Monarchie erfolgte – blieb Schlaraffia auch im Ausland, auf jene Orte beschränkt, die einen genügend starken, deutschsprechenden Bevölkerungsteil hatten. Dies gilt bis heute, was aber nicht hindert, daß es in Schweden, in Spanien aber auch in Nord- und Südamerika, in Südafrika und sogar in Japan eines oder mehrere „Schlaraffenreyche“ gibt.

Seit ihrer Gründung ist Schlaraffia streng unpolitisch: sie hielt sich auch den in ihrer Gründungszeit heftig tobenden konfessionellen Auseinandersetzungen fern. Ihren Mitgliedern ist daher auch jede andere Mitgliedschaft freigestellt.

Ihre völlige Unabhängigkeit machte sie den totalitären Regierungen verdächtig. Sie wurde vom Nationalsozialismus ebenso verboten, wie später in den Ostblockstaaten.

Der Eintritt in Schlaraffia erfolgt nur auf dem Weg der Einführung durch einen Schlaraffen. Mitgliederwerbung wird nicht betrieben: große Mitgliederzahlen in den einzelnen Reychen werden nicht angestrebt, eher die Gründung neuer Vereine in neuen Orten. Rechtlich ist jedes Reych ein angemeldeter Verein im Sinne des Vereinsgesetzes.

Schlaraffia verfolgt keine nach außen gerichteten Ziele. Sie will nur ihren Mitgliedern künstlerische und humorvolle Unterhaltung und Entspannung bieten. Vorträge und Darbietungen kommen aus den eigenen Reihen oder werden von Schlaraffen anderer Reyche gebracht. Wie in der Vergangenheit, so gehören auch heute nicht nur bedeutende Künstler Schlaraffia an, sondern auch Ärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte und Professoren, Offiziere und Beamte, Kaufleute, Baumeister, kurz: alle die vielfältigen Berufe der modernen Gesellschaft. Vereinzelt konnte Schlaraffia auch katholische und evangelische Priester zu ihren Mitgliedern zählen. Frauen können allerdings die Mitgliedschaft nicht erwerben, nehmen aber an bestimmten, festlichen Veranstaltungen als Gäste teil.

In Klosterneuburg erfolgte die Gründung im Jahre 1923, als nach dem Zusammenbruch der Monarchie aus allen Teilen des alten, großen Habsburgerreiches Beamte und Offiziere in das kleine Österreich zurückgeströmt waren. Acht Schlaraffen aus anderen Reychen, gemeinsam mit interessierten Bürgern unserer Stadt bildeten den Anfang. Nach 16 Jahren – im Jahr 1938 mußte Schlaraffia den Vereinsbetrieb einstellen. Bis 1946 existierte sie – von wenigen Mitgliedern getragen – als informelle Kaffeehausrunde weiter. Trotz des anfänglichen Mißtrauens der Besatzungszeit wurde der Neubeginn gewagt und es gelang, Schlaraffia zu neuem Leben zu erwecken. So wurde sie wieder – ihrer Idee gemäß – ein Ort der Pflege der Kunst und des Humors, der gegenseitigen Achtung und der echten Freundschaft in allen Lebenslagen.

Seit dem 50. Stiftungsfest sind 45 Jahre ins Land gezogen und Schlaraffia Claustroneoburga ist weiter in Klosterneuburg ansässig. Wir feierten unser 75. Stiftungsfest mit rund 350 Freunden in der Klosterneuburger Babenbergerhalle. 2009 verloren wir unsere Burg (Vereinsheim) in der Martinstraße, wo wir uns 58 Jahre getroffen hatten. Der Besitz des Hauses wurde durch Erbdifferenzen weitergegeben und wir konnten nicht mehr bleiben. Wir fanden 2 Jahre im Personalspeiseraum des Krankenhaus Klosterneuburg Unterschlupf.

2011 hatten wir das Glück, mit der Familie Rebasso zu verhandeln und für uns einen Mietvertrag für das Anwesen Wasserzeile 15 zu bekommen. Nach Umbauarbeiten, wo uns der Hausherr Ing. Rebasso mit Rat und Tat zur Seite stand, haben wir eine neue Bleibe gefunden. In den letzten 45 Jahren mussten wir uns von vielen unseren Freunden verabschieden, darunter auch vom Ritter Freu-mi, der unserem Reych eine Grabstelle für Klosterneuburger Schlaraffen gespendet hat. Viele neue Sassen (Mitglieder) konnten wir für uns gewinnen und so ist unser Spiel weitergegangen. Die Führung, die Oberschlaraffen (Thron) war von langjährigen gewählten Schlaraffen immer gut besetzt. Die Ritter Dolomit, Ritter Don Skonti, Ritter Mac Ampère, Ritter Jodokus, Ritter Dos-kana und Ritter Don Lethecus lenkten und lenken die schlaraffischen Geschicke bis zum heutigem Jahr.

Der profane Vereinsobmann Ritter Don Skonti und sein Kassier Ritter Prozenterl arbeiten schon auf unsere 100 Jahr Feier (2023) hin.

Sollten Sie (als „Profaner“) nach Gesagtem bzw. Geschriebenem Interesse an Schlaraffia haben, wenden Sie sich bitte an eine der im Impressum genannten Personen. Wir werden Sie gerne zur Teilnahme an einer unsere Sitzungen („Sippungen“) einladen.